Ein bescheidener Vorschlag, Herr Dr. Otto

Sehr geehrter Herr Dr. Otto,

vor einiger Zeit habe ich einen Beitrag im Rahmen der Sendung ARD exklusiv gesehen (Das Hermes-Prinzip – Der Milliardär und seine Götterboten), in dem veranschaulicht wurde, in welcher Weise der Hermes-Konzern seine Mitarbeiter behandelt. Um ehrlich zu sein, bin ich schockiert. Schockiert darüber, dass die Sendung völlig zu Unrecht ein schlechtes Bild auf den Hermes-Konzern wirft, schockiert darüber, wie augenscheinlich gut bezahlte Mitarbeiter aus schierem Geltungsbedürfnis an Ihnen und dem Otto-Hermes-System herumkritteln und schockiert darüber, warum Sie als erfahrener Unternehmer die klar ersichtlichen wirtschaftlichen Gelegenheiten nicht nutzen, die sich in diesem Zusammenhang bieten. Lassen Sie mich dazu einige Vorschläge machen:

  1. Cross-Marketing: Ein motivierter Mitarbeiter, der gut gelaunt an der frischen Luft täglich mit vielen Menschen in Kontakt kommt, ist doch ein idealer Verkäufer für weitere Produkte. Seien es qualitativ hochwertige Staubsauger, Zeitungs-Abonnements oder Telefonverträge: Sie werden sicherlich keine Probleme haben, über das lukrative Provisionsmodell der Paketzustellung hinaus Ihren Zustellern auch diesbezüglich Angebote zu machen, die diese nicht abschlagen können. Eine Win/Win-Situation aus dem Lehrbuch.
  2. Ernährung: Im oben genannten Beitrag wurde erwähnt, dass ein Mitarbeiter wegen seiner Arbeit eklatant an Gewicht verloren habe. Das finde ich unverständlich und habe auch hier einen Vorschlag: Eine gut organisierte Zusammenarbeit mit Tafeln vor Ort würde dafür sorgen, Mitarbeitern mehrmals am Tag eine reichhaltige Mahlzeit vorsetzen zu können. Organisiert man dazu feste Zeiten, sodass mehrere Zusteller gemeinsam im Versandzentrum beispielsweise das Frühstück einnehmen, wird das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt, was ja Kern und Wesen des Hermes-Prinzips ist.
  3. Aus Mitarbeitern Kunden machen: Ist die Ernährung auf diese Weise umgestellt und wurde entsprechend Geld gespart, haben Mitarbeiter die Möglichkeit, sich dafür die schönen Dinge des Lebens zu leisten. Was läge näher, als diese zusätzliche Kaufkraft in Richtung Otto-Versandhandel zu lenken? Ein Katalog hier und ein Internet-PC da können (Umsatz-)Wunder wirken!
  4. Mehr-Generationen-Zustellung: Mehrmals wurde im Beitrag erwähnt, dass bei der vorliegenden Lohnsituation keine Rentenversicherung und daher kein würdevolles Leben im Herbst des Lebens mehr möglich sei. Auch das halte ich für überdramatisiert, das Problem ließe sich durch Mehr-Generationen-Zustellung leicht lösen: Warum sich nicht von älteren, nicht mehr aktiven Mitgliedern der Hermes-Familie begleiten lassen? Ein Tag in einem Zusteller-Fahrzeug bietet diesen sicherlich mehr Abwechslung als ein Seniorenstift. Mit einer kurzen Zusatzausbildung können Zusteller auch die körperliche Pflege vor Ort erledigen. Was kann es Schöneres geben, auf diese Weise Verantwortung für ältere Menschen zu übernehmen?

Es gibt sicherlich noch viele weitere Ideen, wie Sie Ihren Mitarbeitern Gutes tun und gleichzeitig Ihren unternehmerischen Erfolg mehren können, von denen sich möglicherweise einige in den Kommentaren zu diesem Beitrag wiederfinden.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg, freue mich auf weitere, spannende Entwicklungen aus Ihren Unternehmen und hoffe, dass Sie nachts weiterhin gut schlafen können.

Viele Grüße aus Aachen,
Dr. Roman Zenner

(Bild: pexels.com)

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