Die Sache mit dem Urheberrecht

In meinem letzten Post, der die Ära des Über-Politik-Schreibens in diesem Blog eingeleitet hat, hatte ich ja bereits das Thema Urheberrecht bzw. die diskursiven Entgleisungen angesprochen. Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, diesbezüglich selbst Stellung zu beziehen.

Urheber produzieren die verschiedensten Werke in den verschiedensten Künsten, übertragen die Nutzungsrechte entweder an Verwertungsgesellschaften oder in begrenztem Maß an die Endverbraucher. Für den Fall, dass die Übertragung der Nutzungsrechte kostenpflichtig erfolgen soll, was zum überwiegendem Teil der Praxis entspricht, muss an irgendeiner Stelle des Prozesses Geld eingesammelt werden. Dies war in der Vergangenheit einfach zu steuern und zu kontrollieren – Filme gab es nur im Kino und wer sie sehen wollte musste an der Kasse bezahlen – wird aber durch Kopiermechanismen und schlussendlich durch die Digitalisierung ungleich schwieriger. Wurde ein Werk einmal in ein digitales Format überführt, ist es beliebig oft verlustfrei kopier- und über die Infrastruktur des WWW theoretisch weltweit verteilbar. File-Sharing-Netzwerke sind dafür ein plakatives Beispiel.

Maximalpositionen

In der öffentlichen Diskussion hat man es nun mit zwei Maximalposititionen zu tun, mit denen ich, das sei schonmal vorausgeschickt, herzlich wenig anfangen kann:

Auf der einen Seite gibt es die Urheberrechts- und Verwertungshardliner, die Datenströme jeglicher Art danach durchleuchten wollen, ob illegales Material heruntergeladen wird. Dieser Logik des präventiven Scannens bedenklicher Inhalte folgend wird genau die Unschuldsvermutung umgedreht, mit der wir in den letzten Jahrzehnten Rechtsgeschichte doch eigentlich gute Erfahrungen gemacht haben: Jeder ist zunächst ein illegaler Downloader, bis sein Surfverhalten seine reine Weste belegt. Wer nichts Schlimmes tut, hat nichts zu befürchten – mit diesem Mantra gestandener Law-und-Order-Verfechter werden Bürger- und Freiheitsrechte mal eben auf dem Altar der Content-Industrie geopfert.

Auf der anderen Seite finden sich On-Demand-Fundamentalisten, die für die Piratenpartei in öffentlichen Diskussionen gerne von Bruno Kramm vertreten werden. Hier wird kritisiert, dass die Content-Industrie es beispielsweise im Film-Bereich nicht geschafft habe, legale Plattformen bereitzustellen, auf denen sich das gewünschte Material finden und kaufe ließe, weswegen man auf illegale Plattformen zurückgreifen müsse und zu Unrecht kriminalisiert würde: Man würde ja für Inhalte bezahlen, könnte man sie legal erwerben. Es sei ja nur logisch, damit auch File-Sharing legalisieren zu wollen.

Beide Seiten liefern in ihren Augen stichhaltige Beweise in Form von Studien, um die eigene Position zu untermauern. Urheber und Verwerter führen gerne ins Feld, dass laut Studien die Umsätze aufgrund von Filesharing massiv eingebrochen seien Urheberrechts-Reformer zitieren gerne andere Studien, die beweisen, dass durch illegales Filesharing legale Verkäufe angekurbelt würden. Mutiert die Diskussion daher letztlich zur Glaubensfrage?

Der Mittelweg – was auch sonst?

Ich bin der Meinung, dass kein wirtschaftliches Interesse der Welt es rechtfertig, so drastisch in die informationelle Selbstbestimmung einzugreifen und so grundlegend die Bürger- und Freiheitsrechte anzugreifen wie der Überwachungsapparat, den Teile der Content-Industrie fordern. Liebe Verwerter, schließt Plattformen, auf denen für alle ersichtlich illegales Material getauscht wird (und lasst damit viel Legales ebenfalls über die Schippe springen), verschickt weiterhin Abmahnungen (und unterstützt damit eine mafiöse Schattenindustrie halbseidener Rechtsvertreter), verklagt Schulkinder (und entfremdet damit die Generation, die eigentlich Eure besten Kunden werden könnten) und lasst weiterhin nach IP-Adressen fischen (und versucht zu beweisen, dass es einen direkten und zweifelsfreien Zusammenhang zwischen dieser Adresse und der verklagten Person gibt). Eine präventive Überwachung der Datenströme und eventuelles Kappen der gesamten Web-Verbindung jedoch: Niemals und nein!

Die Argumentation der zweiten Gruppe ist weitestgehend albern: Ich bekomme nicht das, was ich gegen Bezahlung nutzen möchte, also greife ich auf illegale Methoden zurück und beschwere mich dann, wenn ich mich strafbar mache. Natürlich verschenken Rechte-Inhaber massiv Potential, wenn Sie diese Trends nicht erkennen  – aber das ist doch kein stichhaltiges Argument! Richtig wäre: Erkennt man eine Marktlücke, gründet man eine Firma! Möchte man Urheber von den Vorzügen der direkten/teilkostenlosen Vermarktung überzeugen, bietet man Beratung an und veranstaltet Seminare. Bei Erfolg wird sich dieses Modell verbreiten und das System von innen reformieren.

Es lohnt sich, für ein unzensiertes und nicht überwachtes Netz zu streiten. Aber mit den Fäusten auf den Boden schlagen und sich im Kreis drehen wenn eine Ami-Serie erst nach Jahren auf dem deutschen Markt erhältlich ist. Ach Leute …

(Bild: pexels.com)

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