Der passive Pirat

Es ist mittlerweile einige Zeit her, dass ich Mitglied der Piratenpartei geworden bin. Während der Wahl in NRW bin ich, wie man hier lesen konnte, auf die Aktivitäten der Partei in orange aufmerksam geworden. Ihr Zugang zu Politik hat mich überzeugt, daran hat sich bis heute nichts geändert. Die aktive Parteiarbeit aber ist – das muss ich nach einem halben Jahr Mitgliedschaft konstatieren – scheinbar etwas, mit dem ich einfach nicht warm werde. Am bislang schneereichsten Tag des Jahres hier ein kleines Hose-Runterlassen.

In einem meiner letzten Beiträge hatte ich meine Meinung zum Thema Urheberrecht kundgetan. So etwas lässt sich auch prima aus der Distanz erledigen. Man loggt sich in sein Blog ein und beginnt zu fabulieren. Etwas anderes ist es, sich aktiv in das Parteigeschehen einzumischen und real etwas zu bewegen. Hier in Aachen kann ich die Anzahl der Besuche in unserem Hauptquartier H24 an einer Hand abzählen. Als (Gründungs-)Mitglied der AG Koordination sollte es eigentlich meine Aufgabe sein, die Piratenarbeit in der Region effizienter zu machen. Dazu wurden monatliche Treffen vereinbart. Aber Hand auf’s Herz, ich habe es kaum geschafft, hinzugehen.

Dabei bin ich vom ersten Tag an sehr nett von allen Beteiligten – Aachener Alt- und Neupiraten – empfangen worden und hatte gleich das Gefühl, “dabei” zu sein. Durch die Bank meinungsstarke und sympathische Leute mit vernünftigen Ansichten. Auch an konkreter Arbeit mangelte es nicht: gerade jetzt vor der Bundestagswahl gilt es, den Wahlkampf zu organisieren und alle Kräfte zu bündeln. Nur: So richtig aufraffen konnte und kann ich mich nicht.

Wie jemand auf unserer Mailing-Liste treffend bemerkte, sind die Piraten eine kleine Hobby- und Freizeitpartei. Ich muss mir allerdings eingestehen: Wenn ich den ganzen Tag beruflich kreuz und quer kommuniziere, versuche Lösungen zu entwickeln und strategisch zu denken, muss ich einfach in meiner Freizeit etwas komplett anderes tun. Den Arbeitsmodus beibehalten und nur das Thema wechseln klappt da nicht.

Wenn ich ehrlich bin, beschränkt sich diese politische Passivität, die ich an mir erkenne und die mich erschreckt, nicht auf die mangelnde Teilnahme an Real-Life-Treffen. Das einzige und letzte Mal, dass ich mir die Abstimmungen im Liquid Feedback – also online – im Detail angesehen habe, war zur Vorbereitung auf den Bundesparteitag in Bochum. Danach habe ich mich dort nie mehr umgesehen. A propos Bochum: am Abend des ersten Tags, als eine Veranstaltung “Musik braucht keine GEMA” in Bochums Bermuda-Dreieck stattfand, saß ich ein paar Meter weiter in einem Kino sah mir den neuen 007 an. Weil ich sonst nicht dazu komme und ein Tag Live-Piraten mehr als genug war. Und den Text, den ich so schlau und wortgewandt an nächsten Tag auf der Bahnfahrt zurück formulieren wollte, beschränkt sich auf ein paar Sätze, die immer noch im Entwürfe-Ordner dieses Blogs ihr Dasein fristen. So wichtig mit das Schalten und Walten der Partei ist – es gibt leider zu oft Dinge in meinem Leben, die gerade (ent-)spannender und schöner sind als über piratige Politik nachzudenken und aktiv zu werden.

Was heißt das jetzt? – Nun, ich bleibe dran! Aus mir wird zwar nie ein guter und überzeugter/überzeugender Straßenwahlkämpfer, ich werde aber trotzdem versuchen, der Passivität ein Schnippchen zu schlagen und beispielsweise helfen, aktiv gegen das Campusbahn-Projekt hier in Aachen zu informieren. In jedem Fall habe ich nach einem halben noch mehr Respekt vor den Leuten, die ihre Freizeit für die Partei opfern und beispielsweise trockenen Lokalpolitik-Themen mit der nötigen Energie und Ausdauer begegnen.

(Bild: pexels.com)

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.