Wie teilt man sich (mit)?

Nach einer kleineren Sendepause melde ich mich auch mal wieder zu Wort. Mein Kollege Marcello hat ja hier in der Zwischenzeit viel feines Material veröffentlicht und für einen bewundernswert konstanten Input gesorgt – danke dafür!

Gerade treibt mich eine Frage um, und da oftmals das Drüberschreiben hilft, sich Fragestellungen bewusster zu werden und den Antworten näher zu kommen, beginne ich einfach mal. Und damit wäre ich schon mitten im Thema, denn: Sollte ich das in dieses Blog schreiben?

Wer ein paar Artikel in diesem Blog gelesen bzw. verfolgt hat, was ich in den letzten Jahren so getrieben habe, wird unschwer erkennen, dass das Thema E-Commerce / Commerce / Digitaler Handel – wie immer man es nennen will – einen großen Teil meines Tages bestimmt. Ich verdiene meine Brötchen in dieser Branche, kenne viele nette und kluge Leute die Selbiges tun und denke darüber hinaus auch gerne über das Einkaufen im Netz jetzt und in Zukunft nach.

Vereinzelt haben es auch politische Themen in dieses Blog geschafft. So habe ich etwa zur Urheberrechtsdebatte Stellung bezogen und mich als Mitglied der Piratenpartei mit der Frage beschäftigt, warum für mich aktive Parteiarbeit ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint. Hinzu kamen allgemeine Schwänke aus meinem Alltag, die thematisch schwer einzuordnen sind.

Das zur Vorgeschichte. Angesichts der diversen unappetitlichen Abhörmethoden der jüngeren Vergangenheit gab und gibt es allerorts eine Menge Diskussionsbedarf. Das Thema Datensicherheit und das (Nicht-)Vertrauen in die entsprechenden Institutionen, diese zu verteidigen und sich darum zu kümmern, begleitet uns schon seit einigen Wochen. Ich selbst habe ich mich an dieser Stelle noch nicht dazu geäußert, was ich in Teilen einer unterbewussten Blog-Maulsperre zuschreibe, die mir immer dann zu widerfahren scheint, wenn ich mal wieder so richtig über beide Ohren in Projektarbeit stecke – wie zuletzt 2010 geschehen.

Was sagen die Commerce-ler dazu?

Die Timelines der diversen Netzwerke, in denen ich mich bewege, sind hingegen voll von hitzigen Diskussionen, inbrünstigen Appellen und klugen Analysen. Aber: Diese stammen zu einem sehr großen Teil nicht von den Commerce-lern. Von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen wird weiter über das Wohl & Wehe der Branche diskutiert, werden Entwicklungen beleuchtet etc. Ich weiß von einigen, dass sie sehr wohl eine dedizierte Meinung zu dem Thema haben, diese aber nicht öffentlich machen bzw. in ihre eigenen E-Commerce-Newsstreams gießen – womit ich mich langsam wieder der Eingangsfrage nähere: Was gehört wohin? Sollte man sich überall zu jedem Thema auslassen? Oder sollte man sich in Personas aufteilen und parallele E-Commerce-/Koch-/Mal- und Politikblogs betreiben? Um das Publikum nicht mit Themenvielfalt zu verwirren?

Dabei geht es in der Schnüffelei-Affäre gerade für die E-Commerce-Branche um Vieles: Die Wachstumsmodelle gehen vereinfacht gesagt von einer funktionierenden Infrastruktur aus, auf der neue Geschäftsmodelle etabliert werden können. Man nimmt es als gegeben hin, dass Menschen als potentielle Kunden sich immer häufiger mit Kaufabsichten im Netz bewegen, und sich dieses Bewegen sicher oder gar “natürlich” anfühlt. Besonders für Geschäftsideen bei denen es darum geht, Produkte aufgrund der individuellen Vorlieben der Nutzer zu empfehlen, ist es essenziell, das eben diese Vorlieben auch guten Gewissens artikuliert und übertragen werden können.

Vor diesem Hintergrund sollte auch erwähnt werden, dass oftmals die USA sowohl wichtige Impulsgeber sind, als auch grundlegende Infrastrukturen anbieten: Der große Teil hiesiger Online-Shops verlässt sich auf Google als Traffic-Bringer, auf Facebook als Feedback-Plattform, auf Amazon als Anwendungs-Hoster. Wie sinnig oder unsinnig man auch ein Embargo amerikanischer IT-Firmen halten mag, eine sachliche Diskussion vor dem Hintergrund der NSA-Affäre halte ich in diesem Kontext für sehr wichtig.

Und Ihr so?

(Bild: pexels.com)

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.